Mehr Natur im Siedlungsraum

Mit der Kampagne "Mehr Naturn im Siedlungsraum" möchte die AGNHS erreichen, das auch in verdichtet bebauten Siedlungsraum genügend Naturflächen vorhanden sind. Besonders wichtig ist, dass diese Flächen Pflanzen beherbergen, welche für Insekten, Kleintiere und Vögel sowohl Lebensraum wie auch Nahrung bieten. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist die Vernetzung der Flächen, sodass die Tiere und besonders die Insekten sich auch von Insel zu Insel quer durch das Siedlungsgebiet bewegen und vermehren können.

Mit wenigen kleinen Eingriffen können in Gärten und Anlagen Bereiche geschaffen werden, in welchen die einheimischen Tiere Unterschlupf und Nahrung finden. Pflanzen Sie doch anstelle eines Kirschlorbeers oder Thuja lieber eine einheimische Art. Dies zieht Schmetterlinge und Vögel an welche, sich von den Pflanzen ernähren.

Naturnahe Gärten in Sissach

In unserer Serie über naturnahe Gärten portätieren wir ausgesuchte Gärten

Garten von Felix Schweizer

Felix Schweizer spricht gerne über seine Arbeit, das Gestalten von Gärten. Wir sitzen an einem kleinen Gartentischchen. Seine Arbeit sei häufig eine Arbeit "an der Grenze" im eigentlichen Wortsinn, meint Schweizer. Grenzeinsätze würden etwa bedeuten, Büsche zurückzuschneiden zu müssen, die sich über die Grundstücksgrenze hinweg ausgebreitet hätten. Manchmal lassen sich auch grenzübergreifende Lösungen zugunsten der Natur finden, meint er weiter. Dann würde die Grenze stellenweise etwas verschwimmen, dafür könne ein Gewächs sich natürlich entfalten.

Bei der Arbeit an der Grundstücksgrenze setzt Schweizer auf das Wort vor Ort mit dem Nachbarn, statt sich im 2-Tages-Rhytmus schriftlich über das grenzüberschreitende Wachstum auszutauschen. Wenn der Nachbar ab und zu noch Zeuge von gärtnerischer Grenzpflege wird, umso besser.

Üppiges Grün, Farnwedel, weisser blühender Liguster, zwischen drin auch mal Geissblatt, hohes Gras wachsen in Schweizers Garten. Wo es ihm denn am wohlsten sei in seinem Garten? Unter dem Nussbaum, mit dem Liegestuhl, da kommen die Insekten nicht so hin und da sei auch Schatten. Der Nussbaum hat für Felix Schweizer seine eigene Grenzgeschichte. Da der Nussbaum eher hoch gewachsen ist, ist er für beide Parteien ein Schattenspender. Im Herbst fallen zudem Nüsse auf beiden Seiten der Grundstücksgrenze zu Boden. Dasselbe gilt auch für Laub.

Im Sinne einer guten Nachbbarschaft schneidet Schweizer im 4-Jahres-Turnus den Baum auf eine akzeptable Höhe zurück, im Gegenzug wird nachbarschaftsübergreifend Laub gerecht und die Nussernte begangen

Was ist für ihn die einfachste Art eines naturnahen Gartens? Ein Stück Wiese, welche auch mal kniehoch werden darf, mit eingesäten Wildblumen und einheimischen Sträuchern. Da hätten alle etwas davon. Viele Tiere und Pflanzen. Und wir Menschen könnten uns über diese freuen. Was es sonst noch braucht, um einen naturnahen und pflegeleichten Garten hinzubekommen? Der Standort sei entscheidend, meint Schweizer, ob eine Pflanze gut gedeihen kann oder ob sie "serbelt". Am einfachsten sei es in der Natur zu beobachten, an welchen Standorten die Pflanzen natürlich wachsen. Oder eine Fachperson zu fragen.

Mit den heisseren Sommern verschärfe sich die Bedeutung der Standortwahl nochmals. Pflanzen, die Trockenstress besser ertragen können, seien hier im Vorteil. Schliesslich sei die Vernetzung von naturnahen Standorten wichtig. Daher begrüsst Schweizer auch Projekte wie "Mission B" von der SRG. Hier könne jede und jeder Einzelne konkret etwas für die Artenvielfalt in der Schweiz tun. Dorthin wollen wir mit unserem Projekt "Mehr Natur im Siedlungsraum" in Sissach ja auch. Mit einem breiten Lachen verabschieden wir uns, jedoch nicht bevor ich den selbst gefertigten Brunnentrog aus Holz in Form einer Seejungfrau mit Schwanzflosse und Handpumpe bestaunt habe. Natürlich eingewachsen von Efeu, Glockenblumen und Pfefferminzen.

Andreas Bertram, der Artikel erschien am 26. September 2019 in der Volksstimme Sissach